Verein für Hautkrebsforschung - Newsletter

Verein für Hautkrebsforschung - Newsletter 12

01-07-2014

Neuste Forschungsresultate/Studienergebnisse ASCO-Kongress, Juni 2014

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer, Dermatologische Klinik USZ

Adjuvante Therapie mit Ipilimumab zeigt eine Verlängerung des rezidivfreien Intervalls um ca. 10 Monate

Die EORTC (European Organisation for Research and Treatment of Cancer) hat im Rahmen einer grossen internationalen Studie knapp 1'000 Patienten eingeschlossen. Im Rahmen dieser doppelblinden randomisierten Studie wurde die Hälfte der Patienten mit einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt. Die andere Hälfte erhielt das Medikament Ipilimumab. Ipilimumab ist ein monoklonaler Antikörper, der einen "Bremsrezeptor" auf den T- Lymphozyten löst und damit zu einer Aktivierung des Immunsystems führt.

Im Vergleich mit der Kontrollgruppe haben die Patienten, die mit dem Antikörper behandelt wurden deutlich verzögert einen Rückfall ihrer Krankheit erfahren. Die Verbesserung liegt im Bereich von 9 – 10 Monaten. Wie bei anderen Studien mit dem Antikörper Ipilimumab darf man hoffen, dass der Effekt anhaltend ist und auch nach mehreren Jahren nachzuweisen sein wird. Für Patienten mit metastasierendem Melanom liegen ja bereits 10 Jahre nach Beobachtungszeit vor und der Vorteil der Ipilimumab-Behandlung ist immer noch nachweisbar. Im Gegensatz zum Interferon scheint diese Behandlung auch in höheren Stadien (N1b-N3) wirksam zu sein.

Besonders gut reagieren Patienten deren Primärtumor ulzeriert war. Leider ist die Behandlung mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Der ursprüngliche Behandlungsplan von 3 Jahren konnte bei weniger als die Hälfte der Patienten durchgeführt werden. Knapp 50% der Patienten mussten wegen Nebenwirkungen die Behandlung bereits nach 3 Monaten abbrechen. Es traten die für diese Behandlung bekannten Nebenwirkungen, wie Hautausschläge, Durchfall durch eine Entzündung des Dickdarms und Entzündungen von hormonproduzierenden Organen auf. Diese Nebenwirkung ist sehr unangenehm, weil sie in Einzelfällen zu einer lebenslangen Hormonersatz-Therapie führen kann. Es wird sicherlich eine Herausforderung sein, diese Ergebnisse in der täglichen klinischen Praxis umzusetzen. Es ist im Moment noch nicht bekannt, ob der Antikörper für die Indikation adjuvanter Therapie zugelassen werden wird.

BRAF-mutierte fernmetastasierte Melanome: deutlicher Vorteil für die Kombinationsbehandlung

In einer prospektiv randomisierten Studie wurde erstmals eine kombinierte Therapie mit Kinase-Inhibitoren verglichen gegen eine Monotherapie. Zur Anwendung kam der BRAF-Inhibitor Dabrafenib in Kombination mit Placebo oder in Kombination mit Trametinib, ein MEK-Inhibitor. Insgesamt wurden knapp 500 Patienten eingeschlossen. Die Studie zeigt eine eindeutige Verbesserung des rezidivfreien Intervalls und sogar des Gesamtüberlebens. In Zusammenschau mit einer Nachuntersuchung der Phase II-Daten, die eine mittlere Gesamtüberlebenszeit von 24 Monaten für Patienten, die mit Kombination behandelt wurden zeigten, können wir heute die Kombinationsbehandlung als Standard betrachten. Insbesondere auch deswegen, weil die Nebenwirkungsrate bei der Kombinationsbehandlung geringer ist. Insbesondere entstehen weniger Neoplasien an der Haut, wie Keratoakanthome oder spinozelluläre
Karzinome. Diese Hauttumoren werden als Indikatoren für eine gesteigerte Karzinogenese angesehen, die auch Tumoren innerer Organe, wie Kolonkarzinome oder Pankreaskarzinome und sogar Leukämien einschliesst.

Langzeitüberleben für den Anti-PD1 Antikörper MK2475

Die Monotherapie mit dem Anti-PD1 Antikörper MK2475, der wie Ipilimumab in die Interaktion zwischen Immunzellen und Antigene präsentieren, bzw. Tumorzellen angreift, sind sehr ermutigend. Es ist zu erwarten, dass diese Antikörper, die Überlebensaussichten von Patienten mit metastasierenden Melanom unabhängig vom Mutationsstatus und unabhängig von einer Vorbehandlung mit Ipilimumab wesentlich verbessern können. Im Mittel liegt die 1-jahres Überlebensrate bei knapp 69%, nach 18 Monaten sind noch 63% der Patienten am Leben. Auch diese Behandlung ist mit insgesamt geringer Nebenwirkung verbunden, sodass wir hoffen, dass diese Behandlung möglichst bald allen Patienten mit metastasierendem Melanom zur Verfügung steht.

Ipilimumab und PD1-Kombinationstherapie

Ipilimumab wurde im Rahmen einer grossen Studie mit ca. 100 Patienten intensiv untersucht in Kombination mit dem Anti-PD1-Antikörper Nivolumab. Die Ergebnisse wurden nun vorgestellt. Sie sind etwas schwierig zu interpretieren, weil sehr viele verschiedene Dosis-Stufen untersucht wurden. Jedoch sprechen die Daten deutlich dafür, dass diese Behandlung sehr wirksam ist. Die 1-jahres Überlebensrate liegt bei mind. 80% bis zu 90%. Fast 50% der Patienten zeigen eine deutliche Verkleinerung des Tumorvolumens. Jedoch muss dieser im Vergleich zur Monotherapie mit PD1-Antikörpern etwas besseren Effekt mit einer höheren Nebenwirkungsrate erkauft werden. Es bleibt abzuwarten, wie deutlich die Vorteile der Kombinationstherapie sind, bevor hier eindeutige
Therapieempfehlungen gegeben werden können.

Zusammenfassend darf festgehalten werden, dass auf der Basis der vorgestellten Daten an der American Society of Clinical Oncology 2014 die positiven Trends eindrücklich bestätigt wurden. In Zukunft wird es wichtig sein, auch Kombinationstherapien zwischen Immuntherapie und Kinase-Inhibitor-Therapie zu entwickeln, damit unsere Patienten von den positiven Effekten beider Therapieansätze profitieren können.

Nationaler Hautkrebstag, 12. Mai 2014

 

Wiederum verzeichnete die Klinik eine sehr beachtliche Anzahl an Personen, die sich dieses erste Mal primär das von der SGDV (= Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie) zentral eingerichtete Call-Center Registrierungssystem hatten eintragen lassen und sich untersuchen liessen. Die definitive Statistik über das Outcome, d.h. wie viele wir von einzelnen Karzinomen respektive Präkanzerosen festgestellt haben, ist derzeit noch in Evaluation. Insbesondere hat es uns sehr gefreut, dass 2 Vertreterinnen der Patientenorganisation für Melanome, Deutschschweiz, teilnehmen konnten. Es ist uns sehr wichtig, jährlich an diesem wichtigen Anlass teilzunehmen – jeweils in enger Zusammenarbeit mit der SGDV. Für die Folgejahre wird es bestimmt zentral sein, die Bewerbung, die bis anhin seitens Klinik Dermatologie USZ individuell organisiert wurde und dieses Jahr über die SGDV zentral abgewickelt wurde, zu evaluieren.
  Rückmeldung von Kantonsspital St. Gallen:
Aktinische Keratose: 24 Fälle, Atypische Nävi: 13; Melaom: 2; Basallzellkarzinom: 13; insgesamt 375 Untersuchungen, was ein sehr respektables Echo darstellt.
  Rückmeldung vom Inselspital Bern:
Im Rahmen der Nationalen Hautkrebs-Kampagne im Mai 2014 haben wir in Bern - wie schon in den letzten Jahren - kostenlose Untersuchungen ohne Terminvergabe angeboten. Interessierte Personen konnten sich am Montag 12.5.2014 von 15:00-17:30 Uhr bei uns an der Poliklinik der Dermatologischen Universitätsklinik melden.

Das Angebot wurde von insgesamt 214 Personen in Anspruch genommen. Im Vergleich zu früheren Jahren, in denen jeweils 70-100 Personen kamen, ist dies eine deutliche Zunahme. Warum diese Zunahme zustande kam, ist schwierig zu sagen. Eine mögliche Erklärung ist, dass viele niedergelassene Dermatologen das neue Schema mit Terminvergaben anwandten, und wir eine der wenigen mit einer offenen Sprechstunde waren.

32 der 214 Personen wurde empfohlen, eine zeitnahe dermatologische Untersuchung vornehmen zu lassen. Alle diese Personen gaben ihr schriftliches Einverständnis für eine Kontaktaufnahme durch die Arbeitsgruppe. Bei 12 Patienten wurden abklärungs- oder behandlungs-bedürftige aktinische Keratosen gefunden. 5 Patienten zeigten Basaliom- oder Spinaliom-verdächtige Läsionen. 16 Patienten stellten sich mit weiter abklärungsbedürftigen Muttermalen, v.a. dysplastischen Naevi, vor. Ein Patient zeigte eine Melanom-verdächtige Läsion.

Fortbildung, Dermato-Onkologie, 15. Mai 2014

Am 15. Mai 2014 organisierte die Dermatologie USZ unter der Leitung von Prof. Dr. med. Reinhard Dummer eine Nachmittags-Fortbildung am USZ Zürich über neue Medikamente in der Hautkrebstherapie. Als auswärtiger Referent hatte Prof. Dr. med. Olivier Michielin, Lausanne, über Neuigkeiten zu Ipilimumab informiert. Die Fortbildung war aufgrund der registrierten Anzahl Teilnehmer und der Rückmeldungen über die Qualität ein sehr schöner Erfolg.

ZDFT 2014, 25.-28., Juni 2014

Thema des 2. Update-Kurses am Mittwoch, 25. Juni 2014, war die Dermato-Onkologie sein - unter der Leitung von Prof. Dr. med. Reinhard Dummer. Die Session vermittelte einen Überblick über neue therapeutische Ansätze bei aktinischer Keratose, Basalzellkarzinomen, Melanomen und Pitfalls bei der Diagnose kutaner Neoplasien.
www.zhdermfortbildungstage.ch

Society for Melanoma Research,
Annual Meeting, 13.-16. November 2014, Kongresshaus Zürich

 

 

Es liegt uns viel daran, Sie zu informieren, dass unter der lokalen Leitung von Prof. Dr. med. Reinhard Dummer, Vorstandsmitglied der Society for Melanoma Research, vom 13.-16. November im Kongresshaus Zürich die jährliche Versammlung der internationalen Society for Melanoma Research stattfinden wird.
Es ist selten, dass der Kongress ausserhalb der USA abgehalten wird. Uns freut es umso mehr, dass Zürich der Austragungsort ist.

Informationen
- Tentative Agenda
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Anmeldekonditionen

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie teilnehmen könnten.
Für Fragen steht Ihnen C. Frey-Blanc (This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.; Tel. 044 255 86 63) jederzeit gerne zur Verfügung.
www.melanomacongress.com

Screening von Mitarbeitern bei Firmen

Dieses Jahr konnte der VHKF unter Mitarbeit der Oberärztinnen, Dr. med. Simone Goldinger und Dr. med. Isabelle Kolm, in 2 Firmen, Amgen Switzerland AG und Glykovakzyne AG 100 Mitarbeiter und auch einige Journalisten auf unklare Hautveränderungen hin untersuchen. Stets fliesst hierfür ein gewisser Betrag in das Konto des Vereins für Hautkrebsforschung.

Newsletter 12

Hautkrebspreis 2017

Skin Cancer Award

Es freut uns sehr, Ihnen mitzuteilen, dass der Verein für Hautkrebsforschung in Zusammenarbeit mit der Firma Pierre Fabre 2012 einen Forschungspreis für junge Wissenschaftler im Bereich Dermato-Onkologie ins Leben gerufen hat.

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Aktuelles

  • SWISS MEDICAL FORUM – SCHWEIZERISCHES MEDIZIN-FORUM 2017;17(33):678–685

    Hautkrebserkrankungen gehören zwar zu den häufigsten Malignomen beim Menschen, lassen sich aber in der Regel einfach rechtzeitig erkennen und kurativ behandeln. Die therapeutischen Möglichkeiten sind in den letzten Jahren wesentlich verbessert worden. Essentiell für das Management von malignen Hauttumoren und die klinische Forschung ist ein gut organisiertes Netzwerk aus Behandlungszentren und niedergelassenen Spezialisten.

    Written on Saturday, 19 August 2017 16:52
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