Verein für Hautkrebsforschung - Newsletter

Verein für Hautkrebsforschung - Newsletter 13

09-12-2014

Neuste Forschungsresultate/Studienergebnisse vom Society for Melanoma Research Annual  Meeting, 13.-16. November 2014, Kongresshaus Zürich

Die klinische und experimentelle Melanomforschung in Zürich erfolgt an verschiedensten Instituten des UniversitätsSpitals Zürich, der ETH und der Universität Zürich, wobei die beteiligten Forscher intensiven
wissenschaftlichen Austausch pflegen und bei ihren Fragestellungen immer das Wohl des Patienten im Auge haben.

Die Zürcher Forschungsallianz zum Melanom wird weltweit sehr geschätzt. Verschiedene Mitglieder der Zürcher Forschungsgruppen haben in den letzten 10 Jahren regelmässig an den wichtigsten Melanomforschungskongressen teilgenommen. Dazu gehört auch die Society for Melanoma Research. Als die Gesellschaft interessiert war, einen Kongress in Europa auszurichten, waren verschiedene Orte einschliesslich Paris und verschiedene Universitätsstädte in Deutschland interessiert. Letztendlich hat aber Zürich den Zuschlag erhalten, weil es lokal ausgewiesene Melanomforscher vorzuweisen hat und es verkehrstechnisch optimal erreichbar ist.  
 
Der Kongress in Zürich hatte der Society for Melanoma Research ein Teilnahmerekord mit mehr als 900 Teilnehmern beschert. Aufgrund der präsentierten Studienresultate gehört die SMR 2014 zu den wichtigsten Melanomkongressen des Jahres.
 
Bis zum Jahr 2009 galt das Melanom wirklich als praktisch unbehandelbar. Sämtliche Vergleichsuntersuchungen zur verschiedensten Behandlungsmethoden konnten keine Unterschiede und keinen Effekt auf die Überlebensaussichten der Patienten nachweisen. Die Prognose bei fortgeschrittenem Melanom war schlecht, ja sehr schlecht sogar. Mehr als 70% der Patienten mussten bereits im ersten Jahr an der Diagnose metastasierendes Melanom versterben. Die Situation hatte sich bis 2009 nicht geändert seit der Aussage von einem Patienten aus dem Buch  „Zauberberg“ von Thomas Mann: „Das Melanomblastom kann man nicht heilen….“.
 
Gerade nach dem diesjährigen Society for Melanoma Research Meeting, bei dem am Sonntagmorgen vor über 800 Zuhörern neue Studienergebnisse vorgestellt wurden, hat sich die Situation noch einmal grundlegend geändert, wie der australische Vorsitzende und Melanomforscher Grant McArthur in seiner Zusammenfassung hervorhob: „Wir haben inzwischen mehrere wirksame Behandlungsoptionen und können das Ziel Heilung des fortgeschrittenen Melanoms anstreben.“

Die Fortschritte in der Melanombehandlung schreiten in zwei Bereichen voran:  
•  Im Bereich der sogenannten zielgerichteten Behandlung
•  Im Bereich der Immuntherapie
 
Bei den zielgerichteten Behandlungen kann die Melanomkrankheit immer genauer in besondere Untereinheiten eingeteilt werden. Viele dieser Untereinheiten sind durch bestimmte krankheitsrelevante Mutationen (Veränderung im Erbgut) definiert, die mit kleinen in Tablettenform einnehmbaren Arzneien erfolgreich zur Rückbildung gebracht werden können. Das Thema der Resistenzentwicklung gegenüber solchen Behandlungen beschäftigt die wichtigsten Forschungslabors der Welt. Neue Strategien, um diese Resistenzentwicklung aufhalten zu können, wurden aufgezeigt und werden in den nächsten Jahren klinisch umgesetzt. Im Bereich der Immuntherapie hat ein neuer Ansatz nach den bescheidenen Erfolgen von Impfstoffen, Interferonen und anderen Zytokinen einen sehr vielversprechenden Weg aufgezeigt. Heute können mit Antikörper Signale unterdrückt werden, die die körpereigenen Killerzellen bremsen.  
 
Am 07.12.2014 wurden die Ergebnisse von zwei grossen weltweit durchgeführten prospektiv randomisierten Studien vorgestellt. Bei der ersten Studie wurde der Anti-PD1 Antikörper Pembrolizumab im Vergleich zu einer gängigen Chemotherapie untersucht. Die Patienten wurden randomisiert in drei Behandlungsarme. 

In dieser Studie wurden Patienten randomisiert in einen von drei Therapiearmen, wobei entweder Pembrolizumab in einer Dosierung von 2 mg / kg Körpergewicht alle drei Wochen i.v. gegeben wurde oder in einer Dosierung von 10 mg / kg Körpergewicht, oder eine Chemotherapie je nach klinischer Situation, einschliesslich den Medikamenten Dacarbazin, Carboplatin, Paclitaxel oder Carboplatin. Bei den Patienten mit einer Chemotherapie war ein Crossover möglich. Die drei Behandlungsarme enthielten bei der Auswertung je ca. 180 Patienten, deren Risikofaktoren gleichmässig verteilt waren. Der primäre Endpunkt Progressionsfreies Intervall (PFS) wurde erreicht. Er war in beiden Armen signifikant besser als die Chemotherapie. Die Hazard Ratio für die verbesserte Wirksamkeit liegt in der Grössenordnung von 0,41 für Pembro 10 mg und 0,49 für Pembro 2 mg und ist damit hochsignifikant besser als die Chemotherapie. Erfreulicherweise war diese wesentlich bessere Wirksamkeit auch mit sehr guter Verträglichkeit verbunden. 

Für Patienten in der Erstlinienbehandlung im nicht resektablen Stadium IV, die keine BRAF Mutation aufwiesen, wurden Daten vorgestellt, die die Wirksamkeit von Nivolumab, einen Anti-PD1-Antikörper, mit Dacarbazin verglichen. In dieser Studie wurden 418 Patienten eingeschlossen, die doppelblind auf Chemotherapie oder Immuntherapie verteilt wurden. Der primäre Endpunkt war Gesamtüberleben. Dieser primäre Endpunkt wurde erreicht. Die Ergebnisse übertreffen alle Erwartungen. Während nach einem Jahr im Nivolumab-Arm 27% der Patienten verstorben sind, waren es im DTIC-Arm 58%. Das ist eine enorm grosse Verbesserung. Auch Tumorrückgänge waren viel häufiger unter der Immuntherapie zu sehen, insgesamt kam es bei 40% der Patienten zu einer objektiven Tumorregression, während dies mit Dacarbazin nur bei 14% zu beobachten war. Erfreulicherweise sind diese Tumorrückgänge sehr lang anhaltend. Die meisten Patienten zeigen bis heute eine anhaltende Remission. Wie schon in der vorher berichteten Studie ist auch im direkten Vergleich zu einer milden Chemotherapie die Therapie mit dem Anti-PD1-Antikörper besser verträglich. Es kommt zu weniger schwerwiegenden Nebenwirkungen.  
 
Zusammenfassend  darf den neuen Immuntherapien mit Anti-PD1-Antikörpern sowohl in der Erstlinienbehandlung als auch in späteren Behandlungsphasen eine ausgezeichnete Wirksamkeit bei minimaler Toxizität zugeschrieben werden. Zusammen mit anderen vielversprechenden Therapien, wie Kinase-Inhibitoren und Ipilimumab dürfen wir jetzt hoffen, dass zumindest ein Teil der Patienten mit fortgeschrittenem Melanom Langzeit überleben werden und vielleicht sogar bald von einer Heilung dieser Patienten gesprochen werden kann.   

Hautkrebs-Forschungspreis Pierre Fabre (Suisse) SA , VHKF 2014, geht an klinischen Forscher aus Bern 

Dieses Jahr verleiht der Verein für Hautkrebsforschung zum zweiten Mal den Schweizer Hautkrebspreis „Pierre Fabre Skin Cancer Award“. Der geehrte Forscher ist Dr. med. et phil. nat. Christoph Schlapbach von der Dermatologischen Universitätsklinik des Inselspitals Bern.

Der diesjährige Preisträger, Dr. med. et phil. nat. Christoph Schlapbach, arbeitet in der Dermatologischen Abteilung des Inselspitals in Bern. Er interessiert sich sehr für die Rolle bestimmter weisser Blutkörperchen (T-Lymphozyten) bei der Bekämpfung von Krebs. Seit kurzem wissen wir, dass neue Medikamente, wie Antikörper gegen CTLA-4 oder PD-1 die Überlebenszeiten bei Patienten mit fortgeschrittenen Melanomen verlängern können, und in Einzelfällen sogar zum vollständigen Verschwinden von Melanommetastasen führen können. Diese neuen Medikamente beeinflussen die Aktivität von weissen Blutkörperchen, den sogenannten Lymphozyten. Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Untergruppen von Lymphozyten, die jeweils verschiedene Funktionen übernehmen. Eine bestimmte  Untergruppe, die sogenannten TH9 Lymphozyten kommen in der Nähe von schwarzen Hautkrebszellen besonders häufig vor. Diese Untergruppe wurde funktionell in Zusammenarbeit mit Forschungslaboratorien an der Harvard Universität in Boston untersucht. Herr Dr. Schlapbach plant, in Zukunft die Rolle dieser Lymphozyten beim Melanom im Detail zu untersuchen.

Update Patienten-Informationsbroschüren

Im Jahr 2014 konnten wir verschiedene Patienten-Informationsbroschüren aktualisieren so diejenigen über Melanom, Aktinische Keratose/Stachelzellkarzinom, Basalzellkarzinom und diejenige über Hautkrebs bei immunsupprimierten Patienten.
Weitere Informationen

Planung Aktivitäten 2015 

Bereits ist der Verein für Hautkrebsforschung wiederum an der Planung der Aktivitäten für 2015:

Am 1. Juni 2015 werden wir uns wiederum am Nationalen Hautkrebstag engagieren: vorgesehen sind wiederum Slots in der Klinik für die Begutachtung unklarer Hautveränderungen sowie abends eine Publikumsveranstaltung. Des Weiteren wird eine Oberärztin / ein Oberarzt oder erfahrene(n) Assistenzarzt/ärztin an der Universität Zürich kostenlose Erstuntersuchungen anbieten.

An unseren Zürcher Dermatologischen Fortbildungstagen, 24.-26. Juni 2015, Kongresshaus Zürich, wird wiederum am Mittwoch Nachmittag ein Block über Dermatoonkologie stattfinden. Das Hauptthema des Kongresses ist Dermatologie im Alter. Hierzu werden wir die Themen Epitheliale versus nicht-EpithelialeTumore entsprechend einbauen.

Weiter ist der Verein für Hautkrebsforschung jederzeit offen für Screening in Firmen oder Behörden; Kontakte hierzu sind kontinuierlich am Laufen. Falls Sie eine Anregung haben, an wen sich der Verein aus Ihrem Netzwerk wenden könnte, ist dies dem Verein jederzeit willkommen. DieUmsetzung/Koordination übernimmt gerne der Verein; Sie können sich jederzeit an Catherine Frey-Blanc(This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. ; 044 255 86 63) wenden.

Newsletter 13

Hautkrebspreis 2017

Skin Cancer Award

Es freut uns sehr, Ihnen mitzuteilen, dass der Verein für Hautkrebsforschung in Zusammenarbeit mit der Firma Pierre Fabre 2012 einen Forschungspreis für junge Wissenschaftler im Bereich Dermato-Onkologie ins Leben gerufen hat.

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Aktuelles

  • SWISS MEDICAL FORUM – SCHWEIZERISCHES MEDIZIN-FORUM 2017;17(33):678–685

    Hautkrebserkrankungen gehören zwar zu den häufigsten Malignomen beim Menschen, lassen sich aber in der Regel einfach rechtzeitig erkennen und kurativ behandeln. Die therapeutischen Möglichkeiten sind in den letzten Jahren wesentlich verbessert worden. Essentiell für das Management von malignen Hauttumoren und die klinische Forschung ist ein gut organisiertes Netzwerk aus Behandlungszentren und niedergelassenen Spezialisten.

    Written on Saturday, 19 August 2017 16:52
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